Paradies Organic Cotton Tour
Nachhaltigkeit ist für viele ein Modebegriff. Für uns ist es seit Jahren selbstverständlich, uns für eine klimaschonende CO2-neutrale Produktion, nachwachsende und wiederverwertbare Rohstoffe zu engagieren. Zudem setzen wir seit vielen Jahren bereits auf Strom aus erneuerbaren Ernergiequellen. Gerne würden wir alle Rohstoffe möglichst ressourcenschonend und in Bio-Qualität einsetzen. Dabei müssen wir natürlich stets unseren hohen Qualitätsanspruch erfüllen. Nachhaltigkeit und die gewohnte Paradies- Qualität miteinander zu verbinden – daran arbeiten wir ständig weiter.
Auch bei unserer Lieferantenauswahl achten wir neben den hohen Qualitätsstandards auf Nachhaltigkeit. Wir unterstützen sie weltweit bei ihren Initiativen für eine umweltscho- nende Produktion und gesunde, sozial gerechte Arbeitsbedingungen. In regelmäßigen Abständen überzeugen wir uns persönlich von den Standards und den Bedingungen vor Ort. Wir möchten unseren Kunden die Sicherheit geben, dass Paradies sich kümmert. Dieses Jahr haben wir uns wieder auf den Weg zu ihnen gemacht.
Unsere Paradies Organic Cotton Tour führte uns zu Lieferanten der gesamten Produktionskette, nach Afrika und Asien. Wir wollten dazulernen, unseren Horizont erweitern und unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit vertiefen. Mit den folgenden Geschichten nehmen wir Sie mit – auf eine Expedition in Sachen Nachhaltigkeit!
Ägypten:
NACHHALTIGES WACHSTUM MIT BIOLOGISCHER DÜNGUNG
Das erste Ziel der Reise führte uns zu unseren Lieferanten in Ägypten. Hier erreichte eine Initiative von Baumwollbauern im Jahr 1991 einen großen Erfolg: „Ein Verbot von Pestizi- den beim Baumwollanbau“. Die Idee zum Besuch der Baumwollbauern in Ägypten reifte bei uns seit Anfang diesen Jahres. Da wir bereits einen sehr hohen Anteil Bio-Baumwollge- webe bei unseren Produkten einsetzen, wollten wir erleben, fühlen, und besser verstehen, was Bio-Baumwolle bedeutet.
Auf unserer Reise besuchten wir zwei Baumwollfelder in der Zeit der ersten Ernte. Dabei werden 85 – 90% der Baumwolle gepflückt. In einem zweiten Durchgang werden 14 Tage später die letzten aufgegangenen Köpfe geerntet. Beide Felder werden seit sechs Jahren biodynamisch bewirtschaftet und zweimal jährlich durch die Control Union überprüft. Während der Zeit von der Saat bis zur Ernte behandeln die Bio-Bauern das Feld regelmäßig mit einem auf natürlicher Basis hergestellten Dünger. Eingesetzt wird eine Mixtur aus Pflanzen, die in der Nähe der Felder wachsen. Sobald ein Schädlingsbefall festgestellt wird, wird der natürliche Pflanzenschutz versprüht und vertreibt die Schädlinge.
Biologische Anbauweise seit 2013
Neben der Verwendung von „Kompost“-Dünger auf natürlicher Basis setzen sich die Bio-Bauern für den Schutz von einheimischen Vogelgattungen ein, die die Baumwollpflanze durch Insektenfraß schützen. Zur Aus- lastung der natürlich bewirtschafteten Flächen werden zwischen den Baumwollanbauten Weizen und diverse Gewürze wie Koriander und Kumin angebaut. Fazit: Die Natur erholt sich, die Regenerationszeit des Bodens hat sich deutlich verkürzt und Würmer (im guten Sinne) sind wieder vermehrt auf den Feldern zu finden.
Indien:
FAIRTRADE-BAUMWOLLPRO- DUKTION MIT BIO-ANBAu
2.000 Fairtrade-zerfizierte Farmen gehören zu dem großen Familienunternehmen, das wir in Indien besucht haben. Beim Besuch von Paradies erwartete uns das gesamte Dorf und empfing uns äußerst gastfreundlich: Unsere Gastgeber malten uns einen roten Punkt auf die Stirn, hinein wurde ein Reiskorn gedrückt –vermutlich ein Glücksbringer. Und es gab ein Stück Zucker zum Lutschen. Wir wurden beschenkt mit geknüpften Ketten aus den Köpfen der Baumwollblüten und einem Turban! Auch wir brachten als Gastgeschenk eine Kopfbedeckung mit: Sonnenschutzkappen für die Bauern. Das war ein schönes Bild – die Europäer mit Turban und die indischen Baumwollproduzenten mit westlichen Caps.
Sich kennenlernen, den Horizont erweitern – und gute Arbeit würdigen
Die Bauern erzählten uns bereitwillig von ihrer Arbeit, waren aber auch interessiert daran, was später aus ihrem Produkt wird. Wir haben gerne alle ihre Fragen beantwortet und und würdigten ihre wichtige, wertvolle Arbeit rund um die Bio-Baumwolle.
Bio-Baumwolle macht Mädchen schlau
Die Bauern verkaufen die Bio-Baumwolle zum höheren Preis. So können die Familien u.a. auch in die Schulbildung der Mädchen investieren. Eine Gruppe von Schülerinnen erzählte uns von ihren Zukunftsplänen: Sie wollen studieren, Ärztinnen oder Lehrerinnen werden. Und vielleicht auch ein Unternehmen gründen. Auch die Bauern selbst werden immer wieder geschult. So will es auch der Käufer der Baumwolle, eine Ginnerei. Wir konnten Schulungsplakate sehen, die uns gezeigt haben, wie wissenschaftlich fundiert der Anbau organisiert ist.
Pakistan:
AUF DEM WEG ZUR „GRÜNEN“ WEBEREI
Die Textilindustrie ist Pakistans wichtigster Industriesektor. Mehr als die Hälfte aller exportierten Güter aus Pakistan sind Textilprodukte. Wir haben eine der vielen hundert Webereien des Landes besucht – eine ganz besondere. Denn die Geschäftsführer haben sich dazu entschieden, nach und nach „grün“ zu werden. Auf den mehr als 100 Webma- schinen wird die geerntete Baumwolle zu Geweben verarbeitet. Nach dem eigentlichen Webprozess finden hier weitere Verarbeitungsschritte statt, wie das Aufbereiten, Sengen, Aufwaschen, Färben, Drucken. Zudem erhält die Ware eine gewünschte Ausrüstung: zum Beispiel eine zusätzliche Schmirgelung oder Aloe-Vera für mehr Weichheit.
Das Unternehmen will seinen CO2-Fußabdruck verkleinern und immer nachhaltiger produzieren. Ein wichtiger Schritt dahin ist eine neue Abwasserbehandlungsanlage – für uns Europäer eine Selbstverständlichkeit. In der indisch-pakistanischen Region etwas ganz Besonderes. Hiermit werden täglich bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser vorgereinigt und gefiltert – eminent wichtig für den Schutz von Mensch und Umwelt in der wasserarmen Gegend. Stolz berichtet die Geschäftsführung: „Wir sind nun dazu bereit, unter anderem mit dem europäischen Öko-Label Eco Flower zertifiziert zu werden.“ Das EU-Umweltzeichen wurde 1992 eingeführt, um Betriebe mit hohem Umweltengagement auszuzeichnen. Die ausgezeichneten Unternehmen zählen offiziell zu den umweltfreundlichsten in ihrer Region.
Im Kern gesund – Ginnerei und Ölpresse unter einem Dach
Wir besuchten eine indische Baumwollspinnerei, die vorbildlich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit vereint. Beim Trennen der Baumwollfasern von den Samen verbleiben die Kerne normalerweise als Reststoff. Hier jedoch nutzt man die Kerne als Rohstoff – und presst Baumwollsamenöl daraus. Das Öl wird in der Lebensmittelindustrie verwendet, während der gepresste Rest – der Ölkuchen – als Tier-Kraftfutter verkauft wird.